Startschuss für 32 neue Azubis
ULM – Seit 13 Jahren bildet das Regionale Ausbildungszentrum (RAZ) in Ulm Jugendliche mit Förderbedarf aus. Erst im vergangenen Jahr ist die zum Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau gehörende Einrichtung in die Schillerstraße 15 umgezogen. Bei der nun ersten Aufnahmefeier im neuen Heim begrüßte RAZ-Leiterin Birgit Simon Anfang September 32 Azubis.
Recht auf Ausbildung
"I can see clearly now" – eine Woge der Zuversicht erfasste die Zuhörer bei dem Song von Ausbilder Johannes Hettrich am Kontrabass mit Florian Neukamm an der Gitarre und Sängerin Nicole Häußler. Viele der Jugendlichen haben im RAZ schon Maßnahmen zur Berufsvorbereitung durchlaufen. Nun dort die Ausbildung absolvieren zu können, "ist ein Joker", wie BBW-Geschäftsführer Herbert Lüdtke sagte. Erst im Juni dieses Jahres hat die Bundesregierung ihren nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vorgestellt. Sie will Menschen mit Einschränkungen die volle und wirksame Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglichen "und die betrieblichen Ausbildungschancen verbessern", erklärte der Geschäftsführer. "Ihr habt ein Recht auf Ausbildung", sagte Lüdtke, "und dafür sind wir da."
Bestmöglicher Start ins Berufsleben
"Jeder hat die Pflicht und die Verantwortung, etwas aus sich zu machen." Lüdtke forderte die Jugendlichen auf, nach vorne zu blicken. "Ohne ordentliche Ausbildung sinken die Chancen auf selbstverdientes Geld." Und er machte Mut: "In den nächsten fünf Jahren entspannt sich der Arbeitsmarkt, eure Chancen stehen gut." Dass vielen die Ausbildung nicht leicht fällt, ahnt Lothar Scherhaufer von der Agentur für Arbeit: "Anders als in der Schule haben Sie jetzt einen Acht-Stunden-Tag, müssen morgens, abends oder am Wochenende arbeiten." Scherhaufer versprach: "Es gibt eine Zeit, da werden Sie für ihre Leistungen belohnt. Die Agentur für Arbeit finanziert Ihnen die Ausbildung, um Ihnen den besten Start ins Berufsleben zu ermöglichen."
Einen Neuanfang wagen
Im RAZ werden Beiköche, Fachkräfte im Gastgewerbe, Fachwerker für Gebäude- und Umweltdienstleistungen, Autofachwerker, Malerfachwerker, Holzfachwerker, Bäckerfachwerker, Verkaufshelferinnen im Bäckerhandwerk, Verkäufer/-innen und Fleischereifachverkäufer ausgebildet. "Der Autofachwerker ist ein Traumberuf der Jungs", sagte Bildungsbegleiterin Gabi Späth. Für den Fachwerker für Gebäude- und Umweltleistungen haben sich ebenfalls nur Jungs beworben. Bei den Frauen ist der Verkaufshelfer im Bäckereihandwerk sehr beliebt. "Hier gilt es, kreativ zu sein, schön gestalten und gut beraten zu können", erklärte Bildungsbegleiterin Corinna Deyhle. "Mit persönlichen Stärken kann so manche Schulnote ausgeglichen werden."
Lehrer und Ausbilder geben ihr Bestes
Das "Amazing grace" der Musiker lud zum Innehalten ein. Birgit Simon sprach den irischen Segensgruß: "Überfordere Dich nicht durch Idealbilder von Dir. Viele Ängste entstehen durch die Enttäuschung, die Du Dir selber bereitest." Lüdtke erinnerte daran, dass Lehrer und Ausbilder im Auftrag der Stiftung ihr Bestes geben und mahnte zu mehr Gelassenheit: "Es macht das Leben leichter."
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